Für Richter, Polizei & Staatsanwälte
Die Qualität der Ermittlungen und des Gerichtsverfahrens entscheidet oft über die Heilungschancen der Opfer. Ein tiefes Verständnis der Traumadynamik ist für eine gerechte Rechtsprechung unerlässlich.
Herausforderungen in der Beweisaufnahme
Fragmentierte Erinnerung
Trauma beeinflusst die Speicherung von Erinnerungen. Lücken oder Inkonsistenzen in der Aussage sind oft Symptome von Trauma, nicht von Unwahrheit.
Verzögerte Anzeige
Scham, Angst und Manipulation führen oft dazu, dass Opfer erst Jahre später sprechen. Das macht die Tat nicht weniger glaubwürdig.
Grooming-Prozesse
Täter bauen oft über lange Zeit Vertrauen auf. Das Verständnis dieser Dynamik ist entscheidend, um die Manipulation des Opfers zu erkennen.
Sekundäre Viktimisierung
Unsensible Befragungen können das Trauma des Opfers vertiefen. Opferschutz sollte integraler Bestandteil jedes Verfahrensschritts sein.
Opfersensible Ermittlung
Ein faires Verfahren erfordert eine Umgebung, in der Opfer ohne zusätzliche Traumatisierung aussagen können.
- Spezialisierte Vernehmung: Einsatz von geschultem Personal für die Befragung von Kindern und traumatisierten Erwachsenen.
- Vermeidung von Gegenüberstellung: Nutzung von Videoeinvernahmen oder Trennwänden, um den direkten Kontakt zum Täter zu vermeiden.
- Psychosoziale Prozessbegleitung: Unterstützung der Opfer durch Fachkräfte während des gesamten Verfahrens.
- Fortbildung: Regelmäßige Schulungen zu den Themen sexualisierte Gewalt, Chemsex und digitale Gewalt.
Gerechtigkeit braucht Fachwissen
Ihre Arbeit ist entscheidend für das Vertrauen der Opfer in den Rechtsstaat. Ein informierter Umgang mit Trauma stärkt die Qualität der Justiz.